Steißbeinfistel – Entstehung, Symptome & Behandlungsmöglichkeiten

Wichtige Informationen zur "Sinus pilonidalis": Was sind Steißbeinfisteln, wie beuge ich vor und welche OP-Methoden gibt es?

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Eine Steißbeinfistel kann Männer und Frauen betreffen, die Symptome vielfältig sein
Auch Frauen sind von Steißbeinfisteln betroffen – die Erkrankung ist nichts, wofür man sich zu schämen braucht

Was ist eine Steißbeinfistel?

Eine Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis) bezeichnet eine chronisch entzündliche Erkrankung im Bereich der Gesäßfalte. Schätzungen zufolge leiden hierzulande jährlich ca. 26 von 100.000 Menschen an einer Fistel am Steißbein.

Insbesondere Männer zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr sind vor einer Steißbeinfistel betroffen. Aber auch Frauen vor der Entstehung dieser äußerst lästigen Krankheit nicht geschützt.

Wie entsteht eine Steißbeinfistel?

Über die genaue Entstehung von Steißbeinfisteln wird viel diskutiert. Mediziner nehmen an, dass die tägliche Belastung der Haut und Weichteile im Bereich des Steißbeins eine besondere Bedeutung bei der Entwicklung spielt. Häufiges Sitzen und eine starke Behaarung fördern das Einwachsen von Haaren und bildet somit eine optimale Grundlage für die Entstehung einer Steißbeinfistel.

Kleine Fistelöffnungen ermöglichen im weiteren Verlauf die Infektion mit Bakterien, die jeder Mensch auf seiner Haut trägt. Dann kann es zu eitrigen Entzündungen in den betroffenen Bereichen kommen. Auch Haarbildungsstörungen können zu einer Fistel in der Gesäßfalte führen, indem gebildetes Kreatin nicht zu einem geordneten Haar aufgebaut wird, sondern sich ablagert und sich zu einem Fremdkörpergranulom entwickelt. Die kleinen Knötchen neigen dazu, sich schnell zu entzünden und führen zu eitrigen Sekreten. Auch angeborene Fehlbildungen oder Trauma mit einer hohen Krafteinwirkung werden als Ursache von Steißbeinfisteln angenommen.

Welche Symptome verursacht eine Steißbeinfistel?

Steißbeinfisteln können lange unbemerkt bleiben. Durch den asymptomatischen Verlauf wird die Erkrankung häufig erst spät diagnostiziert und entsprechend behandelt. Menschen nehmen Schmerzen ganz individuell wahr, das hat Einfluss darauf, in welchem Stadium eine Fistel am Steißbein entdeckt wird. Patienten beschreiben plötzlich auftretende starke Schmerzen im Bereich der Gesäßregion. Da jede Belastung in dem Steißbereich die Symptome verstärkt, sind langes Sitzen oder Spaziergänge nicht mehr möglich. Der Betroffene ist in seinem Alltag stark eingeschränkt.
Folgende Symptome treten bei einer Steißbeinfistel auf:

  • Ziehende Schmerzen über dem Steiß
  • Lokale Rötungen und Überwärmungen sowie leichtes Fieber (bei entzündlichen Prozessen)
  • Schwellungen im Bereich der Analfalte
  • Austritt von Eiter und blutigen Sekreten

Woran erkenne ich eine Steißbeinfistel?

Ärzte unterscheiden bei einer Steißbeinfistel drei verschiedene Stadien. Je nachdem in welchem Stadium sich deine Fistel befindet, geben dir verschiedene Symptome einen Hinweis auf die Krankheit.

Blande Verlaufsform

Diese Verlaufsform bezeichnet den mildesten Typ der Steißbeinfistel. Im Gegensatz zur akuten oder chronischen Verlaufsform wirst du keinerlei entzündliche Anzeichen, wie Rötungen, Schwellungen oder Überwärmung, bemerken. In diesem Stadium bleiben Steißbeinfisteln häufig unerkannt, denn zusätzlich sind nur wenige Fistelöffnungen, an der Hautoberfläche zu erkennen.

Akute Verlaufsform

Durch eine starke Belastung der Gesäßregion und eine ausgeprägte Körperbehaarung können die Haare in die Epidermis eindringen. Dein Organismus behandelt die Haare als Fremdkörper. Darüber hinaus können durch die kleinen Fistelöffnungen Bakterien in den Bereich gelangen und eine Infektion auslösen. Starkes Schwitzen bildet einen optimalen Nährboden für diese Bakterien und so kommt es zu ausgeprägten Entzündungen in der Region. Diese Umstände rufen dann die Symptome bei der akuten Verlaufsform hervor. Bereits jetzt kannst du Schmerzen, Überwärmung und Rötung wahrnehmen. Ein eitriges und blutiges Sekret kann aus der Steißbeinfistel austreten. Erste Anzeichen dafür sind gelbliche oder rötliche Verfärbungen in der Unterwäsche.

Eine unbehandelte Steißbeinfistel vor der OP
Meine unbehandelte Steißbeinfistel vor der Operation – mehr als eine verfärbte Hautstelle mit austretendem Eiter ist nicht zu sehen

Chronische Verlaufsform

In diesem Stadium kannst du in der Regel keine akuten Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellung und Überwärmung erkennen. Viele der betroffenen Patienten geben allerdings eine dauerhafte Absonderung von eitrigen Sekreten an. Unter Umständen kannst du auch den Austritt von hellen oder blutigen Flüssigkeiten aus dem Fistelgang beobachten.

Ist eine unbehandelte Steißbeinfistel gefährlich?

Bei chronischen Verläufen besteht die Gefahr, dass sich die Steißbeinfistel innerhalb von kurzer Zeit stark vergrößert. Gewebeveränderungen führen dazu, dass die Fistel bis auf Faustgröße anschwellen kann, was zu einer starken Schmerzsymptomatik führt.

Steißbeinfisteln, die mit Entzündungen einhergehen, können für den Patienten lebensgefährlich werden. Die eitrigen Sekrete sind in der Lage im Körper eine sogenannte Sepsis (Blutvergiftung) auszulösen. Aus diesem Grund solltest du eine Steißbeinfistel immer dem Arzt vorstellen, um gemeinsam eine geeignete Behandlungsmöglichkeit auszuwählen.

Wie wird eine Steißbeinfistel behandelt?

Für eine Steißbeinfistel existiert keine konservative Therapie, die erfolgsversprechend ist. Auch homöopathische Präparate oder Hausmittel können eine Steißbeinfistel nicht heilen. Eine Selbstmedikation mit Salben und Globulis ist daher wirkungslos und nicht empfehlenswert. Eine Fistel in der Gesäßfalte muss chirurgisch eröffnet werden, um dem Patienten von den Beschwerden zu befreien. Je nach Ausgangsform empfehlen Mediziner verschiedene Eingriffe.

Herkömmliche Operation

Die Operateure färben die Steißbeinfistel zunächst mit einem Farbstoff ein, um das gesamte betroffene Gewebe sichtbar zu machen und im Anschluss zu entfernen. Damit einer erneuten Entstehung einer Steißbeinfistel vorgebeugt wird, schneiden die Chirurgen während der Operation bis auf die Knochenhaut des Steißbeins. Nachdem die Fistel großräumig ausgeräumt wurde, wird die Oberfläche des knöchernen Steißbeins abgeschabt.

Patienten werden für den Eingriff in der Regel unter Vollnarkose gestellt. Wenn sich die Steißbeinfistel noch nicht entzündet hat, kann der Eingriff unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Viele Operationen werden ambulant durchgeführt. Patienten sollten sich jedoch auf einen möglichen Krankenhausaufenthalt von 3-4 Tagen einstellen. Die Entscheidung darüber trifft der behandelnde Arzt.

Steißbeinfisteln können nur mit einer OP entfernt werden

Ob und wie lange ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist, richtet sich auch danach, ob der Bereich nach dem Eingriff verschlossen werden kann. Je nach Ausgangslage kann es notwendig sein, den operierten Bereich offen zu lassen und nicht zu vernähen. Diese sogenannte sekundäre Wundheilung bedeutet für den Patienten eine lange Heilungsphase von meist mehreren Monaten. Um die Wundversorgung zu beschleunigen, kann eine Vakuumpumpe eingesetzt werden, die von der Krankenkasse bezahlt wird. Nach der Operation ist es wichtig während der sekundären Wundheilung das Operationsgebiet feucht zu halten, damit die Wundränder nicht eintrocknen.

Erfolgsaussicht: Auch wenn der Prozess der sekundären Wundheilung langwierig und belastend für den Patienten sein kann, wird die Rate von Rückfällen (Rezidiven) stark gesenkt. Dafür ist es notwendig, dass der Patient entsprechend mitarbeitet, denn die Wunde wird mit einer Tamponade (Verbandmaterial) gefüllt, die regelmäßig ausgewechselt werden muss. Dazu gehört auch, dass die Betroffenen die Wunde eigenständig mit Wasser spülen. Wird die Operationswunde direkt verschlossen, können häufiger Wundheilungsstörungen und Infektionen auftreten. Auch die Gefahr eines Rückfalls ist erheblich höher.

Operation mit Pit picking

Diese Operationstechnik stellt die kleinstmögliche operative Versorgung bei einer Steißbeinfistel dar. Die Technik eignet sich für nicht voroperierte Patienten (nach dem klassischen Eingriff) mit einem nicht besonders ausgeprägten Fistelsystem. Operationen mit dem Pit picking Verfahren sind sehr erfolgsversprechend, wenn sich noch kein Abszess gebildet hat.

Bei diesem Eingriff werden die Fistelgänge mit den veränderten Haarwurzeln in der Mitte der Gesäßfalte „gepickt“. Dafür wird nur ein minimaler Hautsaum entfernt. Die Chirurgen sorgen für eine 1-2 cm große Öffnung seitlich der Gesäßfalte, um den Abfluss sicherzustellen. Entzündliches Gewebe und tief liegende Haare werden durch die kleinen Löcher entfernt. Vorteile dieses Behandlungsverfahrens sind eine kürzere Heilungsphase und der ambulante Eingriff in örtlicher Betäubung. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten.

Die Operationswunde wird anschließend mit einem trockenen Verband versorgt. Während des Heilungsverfahrens sollten keine Salben eingesetzt werden. Es kann sinnvoll sein, eine Binde zum Schutz der Unterwäsche zu tragen. Die Heilungszeit nach dem Eingriff beträgt in der Regel 2-3 Wochen. Nach 6 Wochen erfolgt eine erneute Vorstellung beim Arzt.

Erfolgsaussicht: Die Operation mit Pit picking wird sehr erfolgreich durchgeführt. In 80 % der Fälle kann die Steißbeinfistel entfernt werden und es erfolgt eine vollständige Ausheilung. Kommt es wider Erwartens zu einem Rezidiv, kann dieses Operationsverfahren erneut durchgeführt werden.

Empfehlungen für die Zeit nach der Steißbeinfistel-Operation:
Sitzkissen zur Entlastung Anzeige der Region
Wundsalbe Anzeige zur oberflächlichen Unterstützung des Heilungsprozesses
Narbensalbe Anzeige für später

Operation mit dem Laserverfahren

Ein weiteres äußerst schonendes und präzises Verfahren ist die Laser-Fistelobliteration. Dabei handelt es sich um eine weiterentwickelte Form des Pit-Pickings. Während der Operation wird eine dünne Glasfaser-Sonde genutzt, um entzündlich verändertes Gewebe zu veröden. Auch eingewachsene Haare werden mit diesem Verfahren entfernt.

Vorteil sind eine Gewebeschonung während des Eingriffes und eine schnelle Wundheilung. Der Patient kann nach dem Eingriff mit seinem Verhalten wesentlich dazu beitragen, dass eine erfolgreiche Wundheilung erfolgt. Eine ausgedehnte Hygiene des operativen Bereiches und der Verzicht auf Genussmittel wie Tabak und Alkohol, sowie eine gesunde Ernährung sind förderlich. Auch hier ist ein regelmäßiges Spülen der Wunde notwendig, vor allem nach dem Stuhlgang. Sitzbäder sind wohltuend und fördern den Heilungsprozess.

Erfolgsaussicht: Die Erfolgsaussichten dieses Eingriffes ähneln denen des herkömmlichen Operationsverfahrens mit Pit picking. Die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Bildung einer Steißbeinfistel ist geringer als bei dem primären Wundverschluss, obwohl auch hier keine offene Wundheilung angestrebt wird. Da die Chirurgen teilweise endoskopisch und minimalinvasiv arbeiten, wird das Wundareal an der Mittellinie wegverlagert und damit eine komplikationsarme Wundheilung begünstigt.

Wie kann ich einer Steißbeinfistel vorbeugen?

Du kannst einer Steißbeinfistel mit einfachen Maßnahmen, die in den gewohnten Alltag eingebaut werden, effektiv vorbeugen.

Besonders wichtig sind eine penible Hygiene und die Reduzierung von Haaren im Steißbeinbereich. Welche Tipps es noch gibt, um einer Steißbeinfistel vorzubeugen, erfährst du in meinen „7 Tipps gegen Steißbeinfisteln“.

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